Was machen Eiskunstläufer nach der Saison?

Nach dem letzten Wettkampf beginnt im Eiskunstlaufen eine Phase, die oft unterschätzt wird. Für Eiskunstläufer nach der Saison ist die Zeit nach der Saison keine reine Pause, sondern ein bewusst geplanter Abschnitt, in dem Regeneration, Weiterentwicklung und Vorbereitung zusammenkommen.

Was machen Eiskunstläufer nach der Saison?

Gerade wegen der hohen körperlichen und mentalen Belastung während der Wettkämpfe ist diese Phase entscheidend für den langfristigen Leistungsaufbau und die Gesunderhaltung der Sportler.

Körperliche Erholung nach intensiver Belastung

Während der Saison wirken bei jedem Sprung und jeder Landung Kräfte von bis zum Achtfachen des Körpergewichts auf Knie, Sprunggelenke und Rücken. Nach dem Saisonende wird das Training daher gezielt reduziert oder umstrukturiert. Statt Vollbelastung steht jetzt „aktive Regeneration“ im Vordergrund: moderates Ausdauertraining, Schwimmen oder Yoga halten den Kreislauf in Gang, entlasten jedoch Gelenke und Muskeln.

Viele Läufer nehmen in dieser Zeit weniger Eiszeiten wahr oder pausieren zeitweise komplett. Parallel dazu rücken physiotherapeutische Maßnahmen in den Mittelpunkt. Man arbeitet an Mobilisation, Stabilität sowie an der Kräftigung tiefer Muskelgruppen. Häufig werden chronische Überlastungen oder kleinere Mikroverletzungen behandelt, die während der Wettkampfsaison kaum Beachtung finden können.

Off-Ice-Training als Grundlage

Ein wesentlicher Teil der Offseason findet abseits des Eises statt. Das sogenannte Off-Ice-Training umfasst Kraftaufbau, Rumpfstabilität, Beweglichkeit und Ausdauer. Gerade die Körpermitte – Kernstück jeder Sprungachse – spielt hier eine zentrale Rolle.

Viele Eiskunstläufer integrieren Ballett- oder Tanztraining, um Haltung, Linienführung und Ausdrucksstärke zu verbessern. Akrobatik und Pilates fördern zusätzlich das Gleichgewicht und die Körperkontrolle. Diese ergänzenden Disziplinen tragen nicht nur zur Verletzungsprophylaxe bei, sondern erhöhen auch die Eleganz und technische Präzision auf dem Eis.

Technikarbeit ohne Zeitdruck

Nach der Saison ist Raum für technische Feinarbeit. Trainer und Athleten analysieren mithilfe von Künstliche Intelligenz, Videoaufnahmen Sprungachsen, Absprungrhythmen oder Landungsausführungen. Bewegungsanalysen und Zeitlupentechnik helfen, biomechanische Details sichtbar zu machen.

Fehler, die im Wettkampfmodus schwer zu korrigieren sind, können gezielt und ohne Ergebnisdruck angegangen werden. Auch Pirouetten und Schrittsequenzen werden überarbeitet oder völlig neu konzipiert. Manche Läufer nutzen diese Zeit, um neue Elemente zu erlernen, beispielsweise Dreifachsprünge zu festigen oder einen Vierfachsprung sicher vorzubereiten.

Mentale Entlastung und Abstand

Urlaubszeit für EiskunstläuferNeben physischer Erholung spielt die mentale Regeneration eine zentrale Rolle. Die Saison ist geprägt von ständiger Bewertung, Erwartungsdruck und Reisetätigkeit. Offseason bedeutet daher auch mentale Entlastung. Urlaub, Zeit mit Familie und Freunden oder einfach Tage ohne Trainingsplan helfen, emotionale Balance wiederzugewinnen.

Zunehmend nutzen Athleten auch sportpsychologische Unterstützung, um ihre mentale Stärke zu reflektieren und neue Strategien für Motivation und Fokus zu entwickeln. Diese mentale Pflege ist entscheidend, um langfristig Freude und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Analyse und strategische Planung

Nach dem Saisonende folgt eine gründliche Auswertung: Welche Elemente waren stabil? Wo gab es Fehlerquellen? Trainer, Choreografen und Sportler analysieren Programme, Trainingssteuerung und Wettkampfergebnisse. Aus diesen Erkenntnissen entstehen neue Strategien und Prioritäten für die kommende Saison.

Auch Materialanpassungen gehören dazu – beispielsweise das einlaufen von neuen Schlittschuhen, die Optimierung der Schuhpassform oder die Anpassung von Trainingshilfsmitteln. Diese technische Detailarbeit trägt maßgeblich zur Sicherheit und Leistung bei.

Aufbau für die neue Saison

Gegen Ende der Offseason steigt der Trainingsumfang sukzessive wieder an. Neue Programme nehmen Gestalt an: Kürmusik wird ausgewählt, Choreografien erarbeitet und Ausdruckselemente verfeinert. Häufig entstehen die ersten Showauftritte im Sommer, die als Testlauf für neue Programme dienen.

Der Wiedereinstieg erfolgt kontrolliert, um Überlastungen zu vermeiden. Ziel ist es, körperlich, technisch und mental optimal vorbereitet in die Wettkampfphase zu starten.

Nach der Saison wird im Eiskunstlaufen also keineswegs einfach pausiert. Diese Phase bildet vielmehr den unsichtbaren, aber entscheidenden Grundstein für den sportlichen Erfolg der kommenden Saison – eine Balance aus Erholung, Reflexion und Erneuerung.