Schwangerschaft und Leistungssport schließen sich nicht aus, aber sie erfordern eine sehr sorgfältige, medizinisch begleitete und individuelle Planung, damit sowohl Mutter als auch Kind gesund bleiben können. Gerade bei Themen wie „Schwanger im Leistungssport“ sind differenzierte Konzepte gefragt, die Belastung, Regeneration und sportliche Zielsetzungen präzise aufeinander abstimmen.

Für viele Athletinnen ist es möglich, weiter auf hohem Niveau zu trainieren und nach der Geburt wieder zum vorherigen Leistungsstand zurückzukehren, wenn Belastung, Regeneration und Gesundheit engmaschig gesteuert werden.
Besondere Situation von Leistungssportlerinnen
Leistungssportlerinnen starten meist mit besserer Ausgangsfitness, stärkerer Muskulatur und gutem Körpergefühl in eine Schwangerschaft, was Erholung und Belastungssteuerung erleichtert. Gleichzeitig sind Trainingsumfänge, Wettkampfintensitäten und Leistungsdruck deutlich höher, was die Risiken im Vergleich zum Breitensport vergrößern kann.
Zudem hängen Verträge, Sponsoring und Karriereplanung oft an Wettkampfergebnissen, sodass Schwangerschaft eine „einschneidende“ berufliche Zäsur bedeuten kann. Dazu kommen organisatorische Herausforderungen wie Trainingslager, Reisen, Betreuungszeiten und Stillen.
Medizinische Grundlagen und Risiken
Während der Schwangerschaft verändern sich Herz-Kreislauf-System, Atmung, Hormonlage, Bänderstabilität und Körperstatik deutlich, was sich direkt auf Leistungsfähigkeit und Verletzungsrisiko auswirkt. Zu den wichtigsten medizinischen Risiken gehören unter anderem Überhitzung, Flüssigkeitsmangel, Kreislaufprobleme, Beckenbodenüberlastung sowie Stürze oder Kollisionen bei Kontaktsportarten.
Es gibt klare Kontraindikationen, bei denen auf Sport verzichtet werden muss, etwa bei bestimmten Blutungen, vorzeitigen Wehen, Plazentaproblemen oder schweren Herz-/Gefäßerkrankungen. Nicht empfohlen sind zudem Tätigkeiten wie Tauchen wegen möglicher Dekompressionsschäden für den Fötus sowie hochintensive Belastungen in großer Höhe über etwa 1500–2000 m.
Welche Sportarten und Intensitäten sind sinnvoll?
- Gut geeignet bei komplikationsloser Schwangerschaft und ärztlichem Okay:
- Leicht bis moderat intensives Ausdauertraining wie Radfahren, Laufen in angepasstem Tempo, Schwimmen oder Aquafitness.
- Technik und Koordinationstraining sowie Stabilisations und Beweglichkeitsübungen.
- Moderates Krafttraining mit leichten bis mittleren Lasten und höheren Wiederholungszahlen.
- Zu meiden oder nur stark modifiziert durchzuführen:
- Kontaktsportarten mit erhöhtem Sturz oder Kollisionsrisiko, zum Beispiel Kampfsport oder Mannschaftssport mit intensivem Zweikampfverhalten sowie Triathlon Wettkämpfe.
- Übungen in längerer Rückenlage im fortgeschrittenen Schwangerschaftsverlauf wegen möglicher Vena cava Kompression.
- Sprungsalven sowie sehr schwere Maximalkraftversuche.
Als grober Richtwert empfehlen Leitlinien meist mindestens 150 Minuten moderat intensives Ausdauertraining pro Woche plus 2 Krafteinheiten, bei zuvor bereits sehr gut trainierten Frauen oft in leicht reduzierter, aber regelmäßiger Form. Die Intensität sollte so gewählt werden, dass eine Unterhaltung noch möglich ist und das subjektive Belastungsempfinden im moderaten Bereich liegt (z.B. BORG 12–14).
| RPE-Wert | Beschreibung |
|---|---|
| 6 | Keine Anstrengung |
| 7-8 | Extrem leicht |
| 9-10 | Sehr leicht |
| 11-12 | Leicht / Locker |
| 13-14 | Etwas anstrengend |
| 15-16 | Anstrengend / Schwer |
| 17-18 | Sehr anstrengend |
| 19-20 | Extrem anstrengend / Maximale Belastung |
Trainingsanpassungen im Verlauf der Schwangerschaft
Im ersten Trimester steht häufig die Anpassung an Müdigkeit, Übelkeit und hormonelle Veränderungen im Vordergrund, sodass Umfang und Intensität flexibel gehandhabt werden müssen. Im zweiten Trimester fühlen sich viele Athletinnen subjektiv leistungsfähiger, sodass Technik, moderates Ausdauertraining und angepasstes Krafttraining stabil fortgeführt werden können.
Im dritten Trimester nehmen Bauchumfang, Gewicht und Schwerpunktverlagerung deutlich zu, wodurch Sturzrisiko, Gelenkbelastung und Beckenbodendruck steigen. Hier werden oft Laufumfang und Sprungbelastung reduziert und durch Alternativen wie Rad, Aquajogging oder Crosstrainer ersetzt, während Rumpfstabilität und Beckenbodenschutz im Mittelpunkt stehen.
Wiedereinstieg in den Leistungssport nach der Geburt
Ein sportlicher Wiedereinstieg hängt von Art der Geburt, Heilungsverlauf, Beckenbodenstatus, Schlaf, Stillen und psychischer Verfassung ab und verläuft stark individuell. Nach unkomplizierter Geburt ist ein vorsichtiger Einstieg in gewohnte sportliche Aktivitäten oft nach etwa 6–8 Wochen möglich, wobei Leistungssportlerinnen sich tendenziell schneller erholen, aber dennoch behutsam steigern sollten.
Studien mit Läuferinnen zeigen, dass viele nach etwa 6 Wochen wieder mit dem Laufen beginnen und nach rund 3 Monaten 80% ihrer früheren Trainingsbelastung erreichen; ein Großteil erreicht innerhalb von 1–3 Jahren wieder das vorherige Leistungsniveau oder übertrifft es sogar. Wichtig sind ein strukturierter Aufbauplan, konsequente Beckenbodentherapie, individuelle Leistungsdiagnostik und eine enge Abstimmung zwischen Athletin, medizinischem Team und Trainerstab.
Zwischen Kür und Kinderwunsch: Schwanger im Eiskunstlauf
Im Eiskunstlauf stellt eine Schwangerschaft eine besondere Herausforderung dar, weil diese Sportart hohe Sprungbelastungen, Rotationen, komplexe Landungen und häufiges Training auf hartem Eis kombiniert, was das Sturz- und Verletzungsrisiko deutlich erhöht. Während in der Frühschwangerschaft einzelne technische Elemente bei komplikationslosem Verlauf und ärztlicher Freigabe teilweise noch reduziert trainiert werden können, raten Fachleute dazu, spätestens mit zunehmendem Bauchumfang riskante Sprünge, Würfe und Hebungen zu vermeiden und den Schwerpunkt stärker auf Technikschulung, Pirouetten in sicherer Ausführung, Choreografie, Beweglichkeit und Off-Ice-Stabilisation zu legen.
Gerade im Paarlaufen und Eistanz müssen Hebungen, Würfe und komplexe Partnerfiguren frühzeitig angepasst werden, um direkte Krafteinwirkungen auf den Bauch und gefährliche Stürze zu verhindern, weshalb eine enge Abstimmung zwischen Athletin, Trainerteam und medizinischer Betreuung entscheidend ist, um Trainingsumfang, Intensität und Inhalte fortlaufend an den Schwangerschaftsverlauf anzupassen.
Bekannte Beispiele aus der Geschichte
Magda Julin – Eine olympische Pionierin (Schweden)
Die schwedische Eiskunstläuferin Magda Julin schrieb 1920 Sportgeschichte, als sie bei den Olympischen Spielen in Antwerpen Gold im Einzellauf gewann, war sie im vierten Monat schwanger. Dieser bemerkenswerte Erfolg bleibt ein einzigartiger Präzedenzfall in der Geschichte des olympischen Sports und zeigt die außergewöhnliche körperliche und mentale Stärke dieser Athletin.
Comeback nach der Geburt

Alexandra Trusova (Russland)
Die als „Quad Queen“ bekannte russische Eiskunstläuferin beeindruckte die Sportwelt mit ihrer außergewöhnlich schnellen Rückkehr aufs Eis. Nach der Geburt ihres Kindes stand Trusova bereits nach 10 Tagen wieder auf dem Eis – ein Testament ihrer Hingabe und körperlichen Fitness.
Michelle Kwan (USA)
Die legendäre olympische Medaillengewinnerin begrüßte im Dezember 2025 ihr zweites Kind, Della Rose Kwan. Zuvor hatte sie bereits 2022 ihre erste Tochter Kalista Belle zur Welt gebracht. Obwohl Kwan im Ruhestand ist, bleibt sie eine inspirierende Figur für Athletinnen weltweit.
Sasha Cohen (USA)
Die Olympia-Silbermedaillengewinnerin von 2006 wurde 2020 Mutter ihres Sohnes Dashiell Lev. Cohen hatte ihre aktive Wettkampfkarriere bereits beendet, bleibt aber eine ikonische Persönlichkeit im Eiskunstlauf.
Alexa Scimeca Knierim (USA)
Die Paarlauf-Olympionikin von 2018 erwartete nach einer IVF-Behandlung im Juli 2025 ihr erstes Kind. Ihre Geschichte zeigt den Mut und die Entschlossenheit von Athletinnen, Familie und Sport zu vereinen.
Wissenswertes zu Schwanger im Leistungsspor
Die Erfahrungen von Sportlerinnen mit Schwangerschaft und Sport sind sehr individuell. Einige Athletinnen berichten, dass sie bis kurz vor der Geburt trainiert haben, während andere bereits früher pausieren mussten. Auch die Rückkehr aufs Eis variiert stark, von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten nach der Geburt. Diese Unterschiede unterstreichen, wie wichtig eine individuelle Herangehensweise und medizinische Betreuung sind.